Das letzte Spiel
Übersetzt aus dem ungarischen
Während des morgendlichen Spaziergangs verhielt sich der Hund anders als sonst. Er schaute nicht unter die Büsche und blieb keine Minute stehen, um zu schnüffeln. Auch schaute er sich nicht um.
Stur ging er an der Seite seines Herrchens, als hätte er Angst, zurückzufallen und ihn zu verlieren.
An einer bestimmten Stelle wollte der Hund weiter gehen als in den vergangenen vierzehn Jahren zuvor.
Der Mann hatte es nicht eilig, lächelte den Hund an, streichelte seinen klugen, großen Kopf und sagte leise: "Na gut, dann lass uns weiter gehen".
Der Hund erhöhte sein Tempo. Geradewegs und zielstrebig ging das Tier zu etwas, was der Mann nicht einordnen konnte. Aber er folgte.
Plötzlich blieb der Hund stehen und legte sich langsam und vorsichtig auf den Boden.
Der Mann sah sich um.
Oh, ich erinnere mich. Hier waren wir zum ersten Mal als du noch ein Welpe warst. Seitdem waren wir nicht mehr an diesem Ort. Hat es dir hier gefallen, mein Hund?
Der Hund wedelte mit seinem Schwanz. Dann lag er eine Weile still und legte den Kopf auf seine Pfoten. Dann stand er umständlich auf und stellte sich neben seinen Besitzer.
"Wollen wir gehen?", fragte er fröhlich.
Vorbei an vielen Häusern gingen sie zurück nach Hause. Der Hund bewegte sich langsam, aber standhaft.
Zuhause angekommen betraten sie gemeinsam die Wohnung.
Schon seit vielen Jahren schlief er nicht mehr in seiner Hütte, wie er es früher gern tat.
Der Hund ging bedächtig ins Schlafzimmer, wo eine dicke, weiche Decke lag. Dort ruhte er sich schweigend aus.
Irgendwann stand er auf, zog das T-Shirt des Mannes vorsichtig vom Bett und deponierte es auf seiner Decke, legte sich drauf und bohrte seine Nase in das Hemd.
"Gib es zurück, du Lümmel", sagte Herrchen freundlich, als er dies sah.
"Du kleiner Dieb."
Es war sein altes Lieblingsspielzeug. Herrchen nahm das T-Shirt zurück und legte es dem Hund auf den Kopf. Normalerweise schnaubte der Hund sonst immer und kämpfte mit dem Shirt.
Diesmal legte der Hund jedoch seinen Kopf auf das T-Shirt und hielt es mit den Pfoten fest.
Der Mann wollte ihm sein Lieblingsspielzeug nicht wegnehmen. Er streichelte das Tier und ging in die Küche. An der Tür hörte er den Hund knurren. Er drehte sich um, sah aber nichts außergewöhnliches. Der Hund lag an derselben Stelle und sah ihn an.
So hat er mich noch nie angesehen, blitzte es durch das Gehirn des Mannes.
In Filmen sieht man so etwas, wenn jemand auf eine lange, große Reise geht.
Nachdenklich ging er in die Küche, kochte einen Kaffee und starrte aus dem Fenster.
Seltsame Gefühle überkamen ihn und so ging er ins Schlafzimmer.
Er warf einen Blick auf den Hund, ging weiter und erstarrte.
Er kniete nieder und beugte sich zu dem Hund, der sich noch immer krampfhaft am T-Shirt festhielt. Seine intelligenten braunen Augen waren geöffnet, aber er atmete nicht mehr. Nur langsam wurde ihm klar, was geschehen war. Er legte sich neben den Hund auf den Boden, sein Gesicht auf die Schnauze des Tieres.
So blieb er lange Zeit liegen.
Tränen liefen über sein Gesicht, flossen in kleinen Streifen auf dem Fell des Hundes hinab auf das T-Shirt.
"Alle meine Kleider würde ich hergeben, damit du noch eins stehlen kannst und noch eins."
Dann kniete er nieder und streichelte den bewegungslosen Körper.
Vorsichtig nahm er das T-Shirt unter dem Hund hervor und bedeckte den klugen, stillen Kopf damit.
Verfasser: Mai Gábor
de en fr hu it